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Bordeaux 2016

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Bordeaux 2016 | Jahrgangsbericht extraprima 6 Sand und Kies hatten die meisten Probleme in allen Appellationen und brachten harte Gerbstoffe und eine scharfkantige Struktur. Ebenso wichtig war es getrocknete Beeren zu eliminieren. Oder Trauben mit Sonnenbrand von jungen Reben, die durch Trockenstress die Blätter verloren hatten, oder wenn im Weinberg die Blätter in der Traubenzone zu früh entfernt wurden. Somit war die Selektion des Traubenmaterials abermals ein sehr wichtiger Qualitätsfaktor. WACHSTUMSVERLAUF Bordeaux ist die einzige Weinbauregion in Frankreich, die im vergangenen Jahr von massiven Frost- und Hagelschäden weitgehend verschont blieb. Der Winter war warm und trocken mit der höchsten Durchschnittstemperatur im Dezember seit 100 Jahren. Am Jahresanfang waren die Böden daher ausgetrocknet, der regenreiche Januar war mit 233 mm Niederschlag durchaus willkommen. Die feuchte Witterung blieb, wegen des warmen Winters fürchtete man ein frühes Ausbrechen der Knospen, was bei Frost wiederum ein großes Risiko mit sich bringen könnte. Ende März vollzog sich der Knospentrieb zügig und ohne Probleme. April und Mai brachten chaotische Temperaturschwankungen mit kontinuierlichen Niederschlägen. Leichter Frost wurde im April lediglich in Graves, Sauternes und am rechten Ufer auf niedrig gelegenen Terroirs beobachtet. Die Böden hatten sich nach der langen Trockenperiode von 2015 wieder erholt und im Untergrund ein Wasserreservoir anlegen können, was sich für die spätere Trockenphase als besonders hilfreich erweisen sollte. In der feuchten Wachstumsperiode war es wichtig den richtigen Zeitpunkt für die Spritzungen gegen Mehltau und andere Pilzkrankheiten zu erwischen. Wer die erste wichtige Gegenattacke verpasst hat, musste entsprechende Schäden hinnehmen. Während dieser Phase fürchtete jeder Weinmacher einen schwachen und verwässerten Jahrgang einzubringen. Glücklicherweise fand die Blüte in einem warmen Zeitfenster mit Regenpause zwischen dem 2. und 11. Juni statt, daher konnte der spätere Fruchtaustrieb recht gleichmäßig erfolgen. Nach der Brexit-Entscheidung in Großbritannien hörte der Regen am 20. Juni auf und die Temperaturen stiegen binnen 24 Stunden von 19° C auf 33° C. Nun wurde es nach und nach extrem trocken und heiß, jedoch ohne Temperaturspitzen wie im Hitzejahr 2003. Zwischen dem 20. Juni und dem wiederbelebenden Regen vom 13. September wurden in den 85 Tagen am Flughafen Mérignac lediglich 25mm Niederschlag gemessen. Juli war noch nicht zu warm, erst der August brachte 26 % mehr Sonnenstunden als normal und zwei Hitzewellen zwischen dem 12. bis 16. und 22. bis 27. Jetzt begannen viele Reben auf wasserdurchlässigen Böden sowie die jungen Reben zu blockieren. Jedoch nur auf wenigen Flächen färbten sich die Blätter in Folge dessen gelb oder fielen zu Boden, sodass sich bei den späteren Trauben nur geringe Qualitätseinbußen ergaben. Lediglich im nördlichen Médoc konnte wegen der Nähe zum Atlantik generell weniger Trockenstress festgestellt werden. Alte Reben widerstanden der heißen Witterung besser, insbesondere, wenn ein Untergrund wie Lehm über gute Wasserspeicherkapazitäten verfügt. Um den Pflanzen während der Trockenheit zu helfen, hatten findige Winzer wie auf Château Lafleur in Pomerol die Blattoberfläche ohne Blattschnitt verringert. Wenn man in dieser Phase Blätter entfernt, verlegt sich das Wachstum in das Nachwachsen der Blätter, statt die Rebe an sich und die Trauben vor der Trockenheit zu retten. Die Lese der trockenen Weissweine wurde wie immer auf Château Haut-Brion in Péssac am 1. September begonnen, Sauvignon und Sémillon von später reifenden Terroirs wurden bis zum Ende des Monats eingebracht. Am 13. September hielt der Herbst Einzug und die Temperaturen kühlten von 30 bis 35° C auf 20 bis 25° C ab. In dieser Nacht fielen auch 30 bis 50 mm Niederschlag, was auf viele Reben eine revitalisierende Wirkung ausübte. Anfang Oktober konnten dann die ersten Merlots bis etwa zum 15. in allen Gebieten von Bordeaux geerntet werden. Danach konnten die Cabernets bei ausgezeichneten Bedingungen gelesen werden. Jedes Terroir und einzelne Parzellen reagierten je nach Rebsorte ganz unterschiedlich auf die schwierigen Wachstumsbedingungen. Der Weinmacher musste entsprechend detailliert und individuell darauf reagieren und den optimalen Erntezeitpunkt erahnen. Daher lässt sich eine generelle Aussage über die Qualität der einzelnen Appellationen kaum zutreffend darstellen. Je kleinteiliger und präziser die divergierenden Partien bei Lese und Gärung verarbeitet wurden, umso mehr konnte der Grand Vin am Ende profitieren. Der langsame Wachstumsverlauf der Trauben brachte eine homogene Ausreifung der Gerbstoffe bei den roten Trauben mit sich, wodurch einige Betriebe die beste phenolische Reife aller Zeiten vermelden konnten. Die Erträge lagen meist hoch, teilweise wurden Rekorde gebrochen. Interessanterweise hatten die Trauben eine größere Anzahl je Henkel von kleineren Beeren als normal, die Schalen waren dick. Die organisch und biodynamisch arbeitenden Betriebe hatten meist eine Ernteeinbuße von rund 20 % gegenüber einem normalen Ertrag. Die besten Traubenpartien wurden zur Ernte sauber und gesund eingebracht. Aufgrund der Schalendicke mussten die roten Moste sanft extrahiert werden. Die meisten Kellermeister haben daher den Maischestand deutlich verlängert und die Häufigkeit der Extraktion mit Remontage (Überschwallen des Tresterhutes), Pigeage (mechanisches Untertauchen des Tresterhutes) und Delestage (Trennung von Tresterhut und Most) verringert. Die Gerbstoffausbeute ist daher deutlich größer als im Jahrgang 2015. Im Allgemeinen fiel der Alkoholgehalt in 2016 dagegen geringer aus. Bei Château Palmer liegt er beispielsweise 1,2 % unter dem von 2015, dennoch ist der 2016er wesentlich voller und wuchtiger geraten. Die meisten Primeurs präsentierten sich sehr zugänglich und rund, manchen Jungwein hätte man sich sogar zum Diner gerne mitgenommen. Das war hocherstaunlich! DIE REBSORTEN Im dritten Jahr in Folge zeigt sich die Sorte Merlot deutlich weniger aromatisch als gewohnt: In 2014 war der kalte Sommer schuld, in 2015 und 2016 litten die Merlots unter Trockenheit und Hitze. Wer in 2016 etwas später geerntet hatte, erhielt statt der rotbeerig-kirschigen Merlot-Komponente mit fleischiger Fülle einen intensiv strukturierten Wein mit wenig Kernaroma und dunkelbeeriger Extraktsüße im Hintergrund. Daher sind Weine aus St.-Emilion und Pomerol meist aromatischer, wenn mehr Cabernet Franc in der Assemblage mit Merlot verarbeitet wurde. Reinsortige Merlots können geradezu hohl in der Mitte wirken. Andererseits gab es auch Winzer, die ganz ausgezeichnete, ausdrucksstarke und typische Merlots produziert haben. Denis Durantou vom Château l’Eglise-Clinet sprach gar von der »Revanche des Merlot« in 2016, nachdem die Cabernets in den vergangenen Jahren oft dominiert haben. Auch die handverlesenen Liebhaber des Château Pétrus müssen sich keine Sorgen machen! Es gibt zwar nicht sehr viel, aber eben doch einige Gegenbeispiele zur aktuellen Schwächephase des Merlot! Auch dieses zeigt, dass 2016 durchaus ein Jahrgang der Widersprüche ist, was möglicherweise auf den exzessiven Regen zu Beginn und die heiße Trockenphase danach zurück zu führen ist. Generell war zu beobachten, dass der Verzicht auf eine Grünlese (vendange verte) während der Trockenheit im Sommer und eine frühe Ernte eher von Vorteil gerieten. Cabernet Sauvignon und in geringerem Masse Cabernet Franc dominieren daher wiederholt auch die Aromatik des neuen Jahrgangs in Bordeaux. Ihren schönsten Ausdruck fanden sie erwartungsgemäß in Pauillac. Hier konnten großartige Weine erzeugt werden, die über eine unglaubliche Ausstrahlung verfügen, mit kraftvoller Struktur und edlen Gerbstoffen. Wie bereits in 2015, war zu beobachten, dass die Rebsorten Petit Verdot und Malbec in den vergangenen Jahren wiederholt besonders gut reussieren konnten. Sie verliehen den Weinen in der Assemblage eine ausgezeichnete aromatische Tiefe und Fruchtigkeit, auch wenn sie nur in geringem prozentualem Anteil verarbeitet werden. Insbesondere in Margaux profitierten die Weine von einer kleinen Zugabe von Petit Verdot. Auch Carmenère erfreut sich eines wachsenden Interesses der Weinma-

extraprima Jahrgangsbericht | Bordeaux 2016 cher, was zu der Frage führt: Bringt der Klimawandel eine Renaissance der alten Rebsorten von Bordeaux mit sich? Bei den weißen Sorten kam der Sauvignon deutlich besser mit dem Witterungsverlauf zurecht. Der Sémillon litt stärker unter der Trockenheit und zeigte sich weniger aromatisch und eher dumpf. Im trockenen Bereich wurden recht volle, lineare und klare Fruchtaromen erzeugt und die Weine zeigen gute Struktur, jedoch vielfach ohne große Komplexität. Auch in puncto Biss und Rasse ist 2016 nicht führend. Die Süßweine sind von einem ähnlich homogenen Qualitätsniveau, vollmundig, mit exotischen Fruchtkomponenten, saftig und reif. Auch hier kommen die besten Erzeuger nicht ganz an ihre eigenen Spitzenjahrgänge heran. Ein neues und hochinteressantes Feld bei den Weinen aus Sauternes und Barsac sind die trockenen und »halbtrockenen«, also weniger vollsüßen Qualitäten. Hier wird ein konsumfreudiges, modernes Klientel angesprochen, um einen Gegenpol zur schwächelnden Süßwein-Nachfrage zu generieren. Sehr positiv zeigen sich alle weißen Qualitäten von trocken bis süß im Jahrgang 2016 als sehr trinkfreudig und einladend. LAGERFÄHIGKEIT Einen Jahrgang wie 2016 gab es wie gesagt bislang noch nicht in Bordeaux. Daher sind Erfahrungswerte mit einer solchen Konstellation nicht vorhanden. Die Weine zeigten sich allesamt recht offen und einladend, vielfach sogar in ihrer Jugend schon sehr trinkig. Daher ist durchaus davon auszugehen, dass der Jahrgang 2016 recht bald nach der Füllung auch gut zugänglich sein dürfte. Die Gerbstoffstrukturen sind hervorragend, die lebendige Säure projiziert eine ausgezeichnete Frische, dieses deutet wiederum auf eine gute Lagerfähigkeit hin. Auch hier wird es vermutlich entscheidend sein, ob die Weine über genügend Extraktsüße und Rückaroma im Abgang verfügen. Generell ist der Jahrgang eher strukturiert als besonders fruchtbetont aromatisch. Verbinden sich alle Komponenten in einem langen Finale mit großer Dichte und Nachhall, dürften die Weine auch im Alter viel Freude bereiten. Fehlt eben jenes letzte Element im Ausklang, könnten die gereiften Exemplare stumpf und ausgetrocknet erscheinen. Die Weißweine würde ich persönlich lieber in ihrer charmanten Jugend genießen und auch die Süßweine sollte man nicht durch zu langes Abwarten strapazieren. MEINUNGSVIELFALT Generell fiel mir auf, dass die Muster auf den Weingütern direkt verkostet, meist deutlich besser abschnitten als bei panel-tastings (Vergleichsproben) bei den Négociants oder der Union Grand Cru. Zwei mir persönlich bekannte und geschätzte Verkoster hatten gar Château Angelus parallel bei der allgemeinen Verkostung auf dem Château schwach bewertet, wobei mir bei der Journalisten-Verkostung im klimatisierten Obergeschoss ein überragender Angelus begegnet war. Daher gehe ich davon aus, dass es bei vielen Weinen des Jahrgangs 2016 stark divergierende Meinungen und Eindrücke zwischen den Verkostern und Kritikern geben wird. KAUFSTRATEGIE Die besten Erzeuger sind davon überzeugt einen ganz großen Jahrgang in Händen zu halten. In der Konsequenz sind bei den Spitzenweinen die Preise gegenüber 2015 generell gestiegen und doch blieben die Premier Grand Crus des Médoc deutlich unter den Höchstpreisen von 2009 und 2010. Das ist sehr erfreulich. Viele Weingüter haben ihren 2016er zum bislang höchsten Preis offeriert. Darunter gibt es Weine, deren Qualität diesen Preisaufschlag rechtfertigen und andere, die einfach nur die Gelegenheit des guten Jahrgangs nutzen. Weine mit überzogenen Preisen bieten wir bei extraprima.com meist nur auf Nachfrage an. Im mittleren und gehobenen Grand Cru-Bereich gibt es genügend preiswerte Alternativen mit überragenden Qualitäten, die wir dringend zum Kauf empfehlen. In den Zweitweinen landete oft das ausgelesene, mit Trockenstress und Sonnenbrand belastete Traubenmaterial, sodass ich allgemein vom Kauf dieser günstigeren Variante tendenziell abrate. Die alte Regel »Im großen Jahr kleine Weine oder gar Zweitweine« zu kaufen sollte man also nicht blind verfolgen. Die positiven Ausnahmen unter den Zweitweinen finden Sie in unserer Offerte. Unter den Cru Bourgeois und den Einstiegsweinen vom rechten Ufer gibt es einige ganz herausragende Gewächse und selbst die einfachen Bordeaux und Bordeaux Supérieurs sind teilweise hervorragend. Daher lohnt sich der Kauf der Bordeaux 2016 nach ausgiebiger Information, Auswahl und Beratung absolut uneingeschränkt. BERATUNG 7 Beim Kauf von hochwertigen und lagerfähigen Weinen ist die gute Beratung eines der wichtigsten Elemente. Schließlich möchten Sie später wirklich einen großen Genuss erleben, statt den wilden Versprechungen manch gefeierter Weingröße erlegen zu sein. Viel zu oft sind die Bewertungen berühmter Kritiker schwer nachvollziehbar. Meine aufrichtige und zuverlässige Einschätzung versichere ich Ihnen. Schließlich war es mein 24. Jahrgang, den ich in Bordeaux vom Fass verkosten durfte. Ich freue mich für meinen Teil, wenn Sie sich in Zukunft an Ihren Weinen erfreuen. Lassen Sie uns gemeinsam diese Leidenschaft miteinander teilen Herzlichst, Ihr Thomas Boxberger-von Schaabner

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