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Extraprima Bordeaux 2017 Subskription Jahrgangsbericht Warmes Herz und kalte Füße

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BORDEAUX

BORDEAUX 2017 SUBSKRIPTION BEI EXTRAPRIMA Warmes Herz und kalte Füße Gepaart mit kühler Frucht und mächtigen Gerbstoffen braucht das eben Zeit. Dafür werden die Weine aber auch sehr lange frisch und knackig bleiben. Im Jahrgangsvergleich mit dem ebenfalls frostgeschädigten 1991er, ist der 2017er weitaus aromatischer und präziser. Die Spitzenweine aus 1991 sind allerdings auch heute noch sehr frisch und klar! WACHSTUMSVERLAUF Nach der Ernte von 2016 stiegen die Temperaturen kontinuierlich an. Der Dezember war 2,2° C über der Normaltemperatur, Weihnachten konnte man in Bordeaux auf der Terrasse feiern. Nach dem Trockenstress des Vegetationszyklus in 2016 hätten die Reben gerne einmal in einer kalten Phase eine »Atempause« eingelegt. Auch als Vorbeugung gegen Krankheiten und Ungeziefer wäre eine Kaltwetterfront wünschenswert gewesen. Im Januar gab es dann den willkommenen harten Frost über 15 Tage, dieser Monat wurde letztlich der kälteste Januar der letzten 30 Jahre. Die frühe Wärme folgte kurz darauf, Februar lag 2,5° C und März 2,9° C über der Durchschnittstemperatur, begleitet von ebenso willkommenen, normalen Niederschlägen, denn Dezember und Januar waren sehr trocken geblieben. Mit der Wärme und dem Regen Mitte März konnte der Vegetationszyklus in diesem Jahr sehr früh beginnen, sodass bereits am 16. März die ersten Knospen austrieben und sich bei den Erzeugern Optimismus für eine frühe Ernte breit machte begleitet von der latenten Angst vor Frost. Bill Blatch erwähnte, dass mancher biodynamische Erzeuger bereits zu diesem Zeitpunkt davon sprach, dass die Kombination aus Neumond und Erdnähe am 27. April zum Problem werden könne. Wie auch immer. Mit dem Juni-artigen Wetter mit Spitzen über 25° C erreichten die Triebe Mitte April ein Wachstum von 30 cm mit mindestens fünf bis sechs voll ausgebildeten Blättern. Regen gab es wenig im April und die Feuchtigkeit war niedrig. Am Morgen des 20. April kam eine erste Frostwelle, die allerdings unter den trockenen Konditionen weniger Schaden anrichtete. Wenige Tage später kamen dann feuchte Luft und Schauer und dann in der Nacht des 26. April, ähnlich wie damals am 21. April 1991, gab es keinen Wind mehr und die Temperaturen fielen am Morgen des 27. erst auf 0° C Bill Blatch und Thomas Boxberger auf Château Le Pin und in einigen Gegenden bis zu - 4° C und - 6° C. Dabei sind große Teile der jungen Triebe erfroren. An manchen Stellen verbrannte die frühe Morgensonne zusätzlich die Blätter durch die Prismen der Eiskristalle. Der Schaden war sofort sichtbar und auch in den folgenden beiden Nächten fiel das Barometer abermals in den Minusbereich. Der Anblick der erfrorenen Reben war teilweise grauenvoll, mit braun herabhängenden Trieben sah es aus wie nach einem Flächenbrand. Die Schäden waren enorm: Entre-Deux-Mers 50 – 100 %, Lalande de Pomerol 50 – 80 %, in St.-Emilion durchschnittlich 50 %, Graves 50 – 80 % und Barsac 60 – 100 %. Einige Bereiche blieben verschont, wie das östliche Médoc (Listrac und Moulis) oder die Orte nahe der Gironde St.-Estèphe, Pauillac und St.-Julien. In St.-Emilion und Pomerol wurden die Lagen auf den Plateaus und an deren Hängen ebenso verschont. Zu diesem Zeitpunkt ging das CIVB davon aus, dass 60 – 70 % der Weinberge betroffen waren, mit einer durchschnittlichen Ernteeinbuße von 40 %. Winzer deren Weinberge komplett erfroren waren, konnten dem weiteren Jahrgangsverlauf nun nur noch zuschauen. Erzeuger, die keinen Frostschaden erlitten hatten konnten weitgehend normal weiter arbeiten. Problematisch wurde die Lage für Betriebe, die zum Teil Frost erlitten hatten. Sie mussten die frostgeschädigten Rebstöcke kenntlich machen, um im weiteren Wachstumsverlauf die Arbeit an den Reben entsprechend zu adaptieren. Bei den geschädigten Reben bildeten sich nach dem Frost die Triebe der zweiten Generation, die im Wachstum natürlich hinter den Trieben der ersten Generation weit zurück hingen. Diese Trauben der zweiten Generation benötigten viel Pflege, um sie einheitlich auf einen befriedigenden Reifegrad zu bringen. Gleich nach dem Frost wurde es wieder warm und der Mai wurde mit 4°C über normal der wärmste seit 1950 mit Temperaturspitzen über 30°C. Der Juni wurde mit 5,5°C über normal sogar noch wärmer und blieb trocken. Unter diesen Bedingungen konnte die Blüte schnell und effizient von statten gehen, benötigte am Ende dennoch drei bis vier Wochen, wegen des Reifeunterschieds zwischen der ersten und zweiten Trauben-Generation. Mai und Juni waren sehr trocken, erst Ende des Monats kam heftiger Regen mit 100 mm Niederschlag. Im Juli gab es ein paar Temperaturspitzen, dennoch blieb er ein eher kühler Monat. Nach dem frühen, trockenen Sommerbeginn blieb der Juli weitgehend niederschlagsfrei und die Reben litten unter Wassermangel. Die ersten Generation begann den Farbwechsel (véraison) um den 20. Juli, die Erntemengen waren sehr vielversprechend. Was auch bei den teilweise frostgeschädigten Betrieben am Ende dazu führte, dass der große Ertrag des ungefrosteten Rebmaterials die Schäden kompensieren konnte. Bei den frostgeschädigten Reben dauerte die véraison bis in den August und viele Trauben sahen auch nicht gut aus. Im südlichen Graves-Gebiet wütete am 27. Juli ein schwerer Hagelschaden und erzeugte weitere Schäden. Der August brachte wechselnde Temperaturen von Anfang 20° C bis über 30° C. Die meisten Tage des August blieben allerdings kühl und gaben den Winzern ein unsommerliches Gefühl. Erst im letzten Drittel des Monats kam der Sommer zurück, sodass die Durchschnittstemperatur des August eher normal ausschaut. Ende August gab es ein wenig Regen, und die erste Hälfte des September wurde feucht und kühl mit Sprühregen. Die ersten weißen Trauben wurden in der warmen Phase Ende August geerntet, aber auch in den September hinein zwischen den gelegentlichen Niederschlägen. Durch die unregelmäßige Reife der Trauben waren mehrere Lesegänge für die meisten Parzellen notwendig. Nun waren die Merlots reif zur Lese, die ersten begannen am 11. September und um den

Pfalz GERMAN PINOT NOIR 20. wurde er überall eingebracht, nachdem der Regen am 16. September endete. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt auch Fäulnis nicht weit, daher wurden manche Partien schon gelesen auch wenn sie noch nicht optimal ausgereift waren. Ungewöhnlich knapp nach den Merlots wurden auch die Cabernets früh reif, die Lese begann um den 22. September. Die meisten Betriebe ernteten bis Ende September, manche bis in den Oktober hinein, dann mit etwas festeren Traubenschalen. Die Ernte der zweiten Generation war gemeinhin sehr schwierig, denn in jeder Parzelle, an jedem Rebstock und auch innerhalb der Traubenhenkel gab es unterschiedliche Reifegrade. Das Traubenmaterial musste daher drakonisch selektiert werden, was den ohnehin niedrigen Ertrag nochmals eingeschränkt hat. Bei der Vinifikation gab es keinerlei Regeln. Dennoch hatten viele Erzeuger den Weg einer sanfteren Extraktion eingeschlagen. Jeder Kellermeister musste die Qualität jeder Traubenpartien analysieren und entsprechend behandeln. VINIFIKATION Nur wenige Betriebe, die keinerlei Frostschaden erlitten, konnten bei der Vinifkation ganz normal agieren. Da jedoch die meisten Reben Ende April »kalte Füße« bekamen, Trockenstress erlitten und im kühlen Sommer nur langsam ausreifen konnten, mussten die Trauben nach der Lese sehr akribisch selektiert werden. Auf Haut-Bailly wurde ein hochinteressanter Prototyp getestet, bei dem die entrappten Beeren auf einen Förderband gescannt werden und die unreifen Elemente dahinter mit flinken Saugarmen von oben einzeln abgesaugt wurden. Diese »Alien« genannte Maschine muss weniger häufig gereinigt werden als die bislang verfügbaren optischen Sortiermaschinen, die die aussortierten Beeren wegblasen. Die Extraktion der Traubenschalen musste sanft erfolgen. Fabien Teitgen von Smith Haut Lafitte erklärte, dass die Traubenkerne nicht ganz reif waren, was dem Most schnell Bitterkeit verleihen konnte. Viele Weingüter verkürzten den Maischekontakt und reduzierten die Häufigkeit des Überschwallens oder Untertauchens des Tresterhutes. Bei zu starker Extraktion besitzen die Weine zwar viel Frucht, die Gerbstoffe übertönen dann allerdings mit ihrer rauen, stumpfen Prägung das Geschmacksbild und die Säure kann spitz hervorstechen. Durch langen Hefeausbau wurden einige Verkostungsmuster etwas »gefälliger« und geschmeidiger gemacht. Wichtig war es dabei, bei der Verkostung auf die optische Viskosität der Weine zu achten. Hatten die Weine eine »natürliche« youtube.com/watch?v=IWoreCS3qSc Farbe und dennoch große Fülle, kann man davon ausgehen, dass sich dieses auf der Flasche wiederfindet. Viskose, massive Farbeindrücke wiesen auf Kontakt mit aufgerührter Hefe hin, die Weine schmecken während des Ausbaus dadurch deutlich fülliger und intensiver, mit cremiger Konsistenz am Gaumen. Da die meisten Weine von Bordeaux vor der Füllung filtriert werden, geht dieses dichte Mundgefühl vom Hefekontakt dabei verloren, die Weine schmecken dann wesentlich schlanker, als es die Fassmuster suggeriert hatten. Daher durfte dieser Effekt des Hefekontaktes die Verkoster bei der Beurteilung der Primeur-Weine nicht zu positiv beeinflussen, außer der Wein würde unfiltriert abgefüllt werden. Bei manchem Wein war zu beobachten, dass die Gerbstoffe im Nachhinein »weich gemacht« wurden. Welche Methoden angewendet wurden, ob Microbullage oder eine andere Form der gezielten Oxidation, wurde nicht kommuniziert. Meist hat ein solcher Vorgang dann auch die Frucht aufgeweicht, wodurch Frische und Präzision etwas verloren gingen. Holz wurde bei manchen Betrieben ebenfalls als »Schminke« eingesetzt, um den Weinen eine zusätzliche Süße und Stoffigkeit zu verleihen. Wichtig ist dabei, ob das Extraktgerüst dahinter ausreicht, um nicht auf lange Sicht vom Holz ausgetrocknet zu werden. All diese Aspekte führten dazu, dass die Jungweinverkostungen wesentlich schwieriger waren als im Vorjahr. Große Aufmerksamkeit und Erfahrung waren gefragt, um die richtigen Schlüsse zu ziehen und die Qualitäten entsprechend zu bewerten. Differierende Beurteilungen unterschiedlicher Verkoster sind entsprechend zu erwarten. WEISSWEINE Die Weißweine sind durchweg sehr gut gelungen. Sie besitzen eine brillante, klare, kühle und frische Frucht. Die Struktur ist reichhaltig und der Alkohol nicht übermächtig. Der Sauvignon brilliert mit seiner intensiven, teils exotischen Frucht und grünlich schimmernden Citrusaromen. Der Sémillon konnte dezente Fülle und feine, gelbfruchtige Nuancen entwickeln. In der Spitze sind die Weißweine hervorragend, hier lohnen sich bei den berühmten Erzeugern durchaus auch die Zweitweine, wie dem Clarté von Haut-Brion und La Mission. Im Mittelfeld und einfachen Bereich gibt es einen breiten Fundus von ausgezeichneten Weinen mit guter Frische und explosiver Würze. Thomas Boxberger, Fabien Teitgen (technischer Direktor Smith Haut Lafitte), Stephan Attmann (Weingut Von Winning) und Nicolas Poumeyrau (Außenbetriebsleiter Smith Haut Lafitte) im April 2018 auf Smith Haut Lafitte SÜSSWEINE Die Süßweine sind sehr gelungen und frisch. Einerseits gab es schnell genug Botrytis, um Tiefe und Komplexität zu erreichen. Das Kernaroma der Primärfrucht ist wiederum sehr klar und eindeutig, mit guter Fülle und Saftigkeit. Restzucker, Extrakt, Alkohol und Säure stehen in einem sehr ausgewogenen Verhältnis zueinander.

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