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Extraprima Bordeaux 2018 Jahrgangsbeschreibung

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Bordeaux 2018 extraprima 4 Thomas Boxberger mit Graf Stephan von Neipperg 2003 erfreulicherweise verschont. Die Fruchtaromen wirken deutlich kühler, frisch und sehr klar, ganz ohne konfierte oder gekochte Nuancen. Allerdings ist 2018 kein großer Geschichtenerzähler. Ähnlich wie ein bekannter Superstar einen Saal allein durch seine Anwesenheit erfüllen kann, scheinen die 2018er teilweise auf wortreiche Eloquenz zu verzichten. 2018 ist eine muskulöse Ausnahmeerscheinung mit Sinn für Ästhetik und den perfekten Auftritt. Das merkt man auch bei vielen meiner Beschreibungstexte zu den Weinen, die durchaus kürzer ausfallen als in anderen Jahren, weil die Weine vielfach weniger »erzählen«. Mit weiterem Ausbau und Flaschenreife können die Weine natürlich auch wieder an Gesprächigkeit zulegen. Zumal es einige Spitzenweine gibt, über die man sich doch, hat ellenlang auslassen können. Auch für die trockenen Weißweine ist 2018 ein herausragender Jahrgang. Primus Haut-Brion konnte einen der besten Weißweine der letzten beiden Dekaden erzeugen, eigentlich glatte 100 Punkte! Eine derartig tiefe Säurespannung gepaart mit einer hochintensiven Sauvignon-geprägten Aromatik gab es bei Haut-Brion noch nie. Viele weiße Bordeaux’, insbesondere aus dem Médoc, zählen zu den bislang besten Jahrgängen, blitzsauber, mit brillanter Frucht und tiefgründiger Struktur. Da es über den gesamten Lesezeitraum trocken blieb, gab es wenig Pilzbefall, was für trockene Weiß- und Rotweine perfekt ist. Das Flehen der Weingüter im Sauternes- und Barsac-Gebiet nach einem umfassenden Befall mit der Botrytis-Edelfäule blieb für ihre Süßweine zuerst weitgehend aus. Hier brachte die Trockenheit eine Konzentration in den Beeren, bis sich dann Mitte Oktober nach einigen Regenfällen auch Botrytis schnell und gleichmäßig ausbreiten konnte. Für die Süßweine war der Jahrgang 2018 durchaus gut, jedoch verfügen sie eher nicht über große Komplexität, Spannung oder besondere Langlebigkeit. »the art of tasting …« EIN JAHR DER EXTREME Im Jahrgang 2017 blieben die berühmtesten und besten Terroirs vom verheerenden Frost weitgehend verschont. In 2018 war die Problematik weitaus komplexer. Das regnerische Frühjahr brachte Niederschläge von Dezember 2017 bis Juni 2018 die oft weit über der Regenmenge eines ganzen Jahres lagen. Dass unter diesen Umständen die Blüte weitgehend gleichmäßig und relativ schnell verlief, betrachteten einige Winzer schlicht als Wunder. Vielfach wurde dennoch eine Verrieselung der Trauben festgestellt. Dabei werden nicht alle Blüten befruchtet, was zu einem geringeren Ertrag und später meist zu einer ungleichmäßigeren Reife der einzelnen Beeren führt. Doch das weitaus größte Problem in 2018 stellte die massive Attacke von Mehltau dar. Viele altgediente Außenbetriebsleiter und Weinbergsarbeiter hatten einen derartig intensiven Pilzbefall durch Mehltau noch nie erlebt. Nur wenige Weingüter waren nicht betroffen, umfassende Spritzungen waren insbesondere wegen der feuchten Witterung unerlässlich. Der Kampf gegen den Mehltau schien für biologisch bewirtschaftete Güter deutlich schwerer. Vielfach mussten hohe Ertragsverluste hingenommen werden. Andererseits hatten manche Bio-Betriebe das Problem ganz gut im Griff, wie beispielsweise Graf Stephan von Neipperg von Canon-la-Gaffelière. Der sagte, man musste eben sehr frühzeitig, gezielt und aufwendig seine Reben mit ökologischen Spritzmitteln schützen. Die Neipperg’schen Erträge blieben auf »Normalniveau«. Die zwei berühmtesten biodynamisch geführten Betriebe von Bordeaux, Pontet-Canet und Palmer, mussten mit heftigen Verlusten kämpfen und konnten gerade mal zehn bzw. elf Hektoliter je Hektar ernten. Auch hier wurde nach eigenem Bekunden jede Anstrengung unternommen, doch der Pilzdruck war stärker. Nach der feuchten Phase setzte dann Trockenheit ein, die an die Dürre von 2016 erinnerte. Die Temperaturen stiegen, es wurde heiß. Nun wurden die Reben abermals auf die Probe gestellt. Die Trauben blieben klein, dickschalig und konzentriert, teilweise sind sie auch zur Ernte hin eingetrocknet und geschrumpft (passerillage). Diese Traubenpartien tendieren zu rosinig-likörigen Aromen mit sehr massiven Gerbstoffen. Die aus 2017 frostgeschädigten Reben hatten ohnehin mit den langfristigen Folgen des starken Frosts zu kämpfen. Das Wachstum kann sich danach nur langsam über den darauffolgenden Zyklus normalisieren. Diesen Effekt hatten die Außenbetriebsleiter schon vorab im Blick. Viele Weine aus dem Dordogne-Tal von Saint-Emilion, wo der Frost von 2017 fast alles zerstörte, blieben aufgrund dessen aromatisch limitiert. Im August, September und Oktober blieb es dann warm und trocken, sodass der Lesezeitpunkt individuell und ohne zeitlichen Druck festgelegt werden konnte. Alle Rebsorten hatten die Möglichkeit optimal auszureifen. Später gelesene Merlots blieben wieder weniger ausdrucksstark als früher gelesene. Die Cabernets erreichten maximale Ausdruckskraft und dominieren in Text von Thomas Boxberger © 2019

echt warmer Temperaturen. Februar war dann kälter als gewöhnlich und März bereits frühlingshaft, mit 20 Regentagen und doppelt so hohen Niederschlägen im nördlichen Médoc wie normal. Der April startete regnerisch, die ersten Knospen sprießen um den 10. April, etwa 12 Tage später als in 2017. Ab Mitte April wurde es ungewöhnlich warm mit bis zu 10 °C über dem Mittelwert, doch auch hier lag die Sonnenscheindauer unter dem Durchschnitt. Bis Ende April konnte das Wachstum stark zulegen, durch den kühl beginnenden Mai verlangsamte es sich dann wieder. Um den 7. Mai und zehn Tage später wurde es warm, mit signifikanten Regenfällen und zwei Hagelstürmen am 20. Mai im Graves und Sauternes und 26. Mai in Bourg, Blaye, Entre-deux-Mers und dem Médoc. Auf etwa 1.000 Hektar wurden rund 80 % der Ernte zerstört. Ende Mai begann die Blüte unter zufriedenstellenden Bedingungen mit schnellem Verlauf und etwas Verrieselung durch die Regenfälle am 6. und 7. Juni. Niederschläge zwischen dem 9. bis 18. Juni lagen 2- bis 4-fach über dem Normalwert, die letzten 10 Tage des Monats wurden dann warm und sonnig, was das Wachstum deutlich angekurbelt hat. Bis hierhin verlief der Jahrgang eigentlich optimal, abgesehen von ersten Mehltau-Symptomen auf Blättern und Trauben, die man Mitte Juni festgestellt hatte. Am letzten Juni-Wochenende war es extrem wichtig gegen Pilzbefall zu spritzen, erzählt Graf Stephan von Neipperg. Seine Mannschaft war auch am Sonntag im Weinberg unermüdlich im Einsatz. Er konnte später trotz ökologischer Bewirtschaftung den bislang höchsten Ertrag auf La Mondotte einbringen. Andere Bio-Winzer meinten es wäre nahezu unmöglich gewesen, den Mehltau erfolgreich zu bekämpfen. Offenbar hatte jeder Weinberg und jede Parzelle seine eigene Problematik. In jedem Fall kennt der Mehltau kein Wochenende und trotzt somit der 35-Stunden-Woche in Frankreich. Nie zuvor wurde eine derart heftige Mehltau-Attacke in Bordeaux gesehen. Die Verluste waren teilweise drastisch. Auch wenn es auf beiden Seiten Ausnahmen gibt, scheint konventionelle Bewirtschaftung besser mit dem Mehltau fertig geworden zu sein als ökologische. Biodynamisch arbeiextraprima Bordeaux 2018 der Aromatik. Petit Verdot konnte ebenso vollreif gelesen werden, daher sieht man in 2018 mehr Petit Verdot mit höheren Anteilen in den Assemblagen. Generell blieb die Aromatik der roten Trauben weitgehend im dunkelbeerigen Bereich. Selbst der sonst rotfruchtige bis kirschige Merlot verfügt meist über ein dunkles Aromenspektrum, spät gelesene Merlots wurden zusätzlich schokoladig. Auch deshalb dominiert die Cabernet-Aromatik weitgehend. Denn nur vereinzelt gibt es »typische«, rotfruchtige Merlots mit klassischer Anmutung. Die Alkoholwerte liegen meist über denen von 2017, allerdings gab es nur sehr wenige Weine, die geschmacklich als »warm« und alkoholstark zu bezeichnen waren. Insgesamt blieb die Aromatik aller Weine eher kühl, volumenreich und mächtig, mit dem erwähnten dunkelbeerigen Fruchtansatz, der eher ins Massive oder Wuchtige tendiert und in puncto Komplexität und Mitteilsamkeit sich eher jugendlich bedeckt hielt. Mag sein, dass die 2018er mit der Flaschenreife dann auch mehr Geschichten erzählen werden. Möglich ist es aber auch, dass sie weiter von ihrer beeindruckenden Präsenz leben und weniger eloquent bleiben. Je nach stilistischen Vorlieben kann das auch sehr reizvoll sein. Ältere Verkoster haben berichtet, dass Jahrgänge wie 1945 oder 1959 in ihrer Jugend ähnlich massiv aufgetreten waren. Bei einigen Erzeugern war zu beobachten, dass sich die Weine sehr vollmundig und intensiv am Gaumen erwiesen, doch im Nachhall dann relativ schnell verblasst waren. Daher war es bei den Verkostungen enorm wichtig darauf zu achten, wie nachhaltig der Geschmackseindruck im Abgang war. Ein anderes wichtiges Merkmal war die innere Dichte der Weine. Bei manchem Spitzengewächs kam das neue Holz geschmacklich zum Vorschein, auch wenn der Wein nur mit 50 % oder 60 % erstbelegten Barriques in Berührung kam. Bei anderen Weinen, wie dem Léoville Las Cases oder Ducru-Beaucaillou, konnte man auch bei 90 oder 100 % neuen Barriques keinerlei Holzeindruck feststellen. Generell haben die meisten Erzeuger den Anteil an neuem Holz für den 2018er Jahrgang verringert. Und auch bei der Gärung wurde die Extraktion der kleinen Beeren eher sanft betrieben. Durch die geringe Saftausbeute war der Anteil der recht dicken Traubenschalen sehr hoch, ein zu starkes Auswaschen der Gerb- und Aromastoffe hätte die Balance der Moste schnell negativ beeinflussen können. In der Spitze zeigen die Weine eine perfekte Terroirabbildung, große Intensität und Länge mit ausgezeichneter Tiefe und Frische. WACHSTUMSVERLAUF Nach dem traumatischen Frost-Jahrgang 2017 begann die neue Vegetationsphase mit permanentem Niederschlag, der sich über die erste Jahreshälfte sehr unterschiedlich von Region zu Region und in den Mengen verteilte. Dadurch konnten sich die Wasserreserven in den tiefer gelegenen Bodenschichten nach der Dürre von 2017 wieder auffüllen. Im Januar gab es nur wenig Sonnenschein trotz 5

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