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Extraprima Bordeaux 2018 Jahrgangsbeschreibung

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Bordeaux 2018 extraprima 6 tende Betriebe hatten es offenkundig noch schwerer, wie man an Pontet-Canet und Palmer sehen kann. Mehrere Hagelstürme wüteten am 4. Juli im südlichen Médoc, später noch mal am 15. Juli in Bordeaux und der südlichen Gironde. Etwa 10.000 Hektar wurden in 2018 abermals von Frost betroffen. Wie in den vorigen Monaten, variierten die Niederschläge sehr stark, von 40 mm im nördlichen Médoc bis nahezu 100 mm in Sauternes, die Durchschnittstemperatur im Juli 2018 war die höchste seit 1954. Die warme, feuchte Witterung und die starke Vegetation verhalf dem Mehltau zu kolossalem Wachstum. Glücklicherweise änderte sich das Wetter Mitte Juli radikal und ebnete den Weg für einen warmen, trockenen Sommer. Dadurch verlangsamte sich auch das Wachstum der Reben und die Reifung der Trauben. Die Tageshöchst- und -mindestwerte lagen zwischen 0,5 und 3 °C über dem Durchschnitt, ohne jedoch die Rekordwerte von 2003 zu erreichen. Ende Juli begann der Farbwechsel (Véraison) der Beeren. Abgesehen von einigen Rebanlagen, die von Hagelstürmen betroffen waren, konnte die Véraison schnell und gleichmäßig im ‘normalen‘ zeitlichen Rahmen abgeschlossen werden. Für einen großen Jahrgang benötigen die Pflanzen zum richtigen Zeitpunkt Wassermangel von oben als Signal, damit die Rebe ihr vegetatives Wachstum einstellt und sich die Kraft der Reben in die Reifung der Trauben verlagert. Bei Terroirs mit guter Drainage begann dieser Prozess etwas früher, Mitte August führte die Wasserversorgung zu vergleichbaren Werten wie in 2016. Nun setzte der Reifungsprozess der Trauben bei trockenem, heißem Wetter ein. Durch die Wasserreserven in den unteren Bodenschichten war die Trockenheit zunächst unproblematisch. Kleinere Schauer Ende August entspannten den Wassermangel, nur einzelne Jungreben auf wasserdurchlässigen, trockenen Böden bekamen Probleme. Der trockene September brachte Temperaturen von 2 bis 4 °C über dem Normalwert, zudem war es einer der sonnigsten September der letzten 60 Jahre. Die Folge war ein langsamer, gleichmäßiger Reifungsprozess, bei dem die Erzeuger für jede Rebsorte und Lage auf den optimalen Lesezeitpunkt warten konnten, ohne jegliches Fäulnisrisiko. WEISSWEINE Die Weißweinernte begann etwa eine Woche später als im Vorjahr mit den Sauvignons in der letzten August-Woche. Die Sémillons wurden bis Mitte September gelesen. Die Wasserreserven im Untergrund aus dem feuchten Frühjahr verhinderten, dass durch die Trockenheit im Sommer die Säurewerte signifikant einbrachen. Dennoch waren diese bei den Weißweinen niedriger als in 2017, bei generell höheren Zuckerwerten. Der Sauvignon Blanc besaß in 2018 eine deutlich höhere aromatische Ausdruckskraft als der geschmacklich verhalten ausgefallene Sémillon. Deshalb dominiert der Sauvignon in den meisten Assemblagen den Sémillon sehr deutlich. Der weiße Haut-Brion aus 2018 ist einer der besten Jahrgänge der vergangenen 20 Jahre. Statt der sonst praktizierten Assemblage mit jeweils 50 % Sauvignon blanc und Sémillon, besteht der neue Jahrgang nun aus 80 % Sauvignon blanc und schmeckt eigentlich eher als sei er reinsortig. Viele Weißweine konnten brillieren und überraschen, insbesondere die weißen Bordeaux’ aus dem Médoc! ROTWEINE Bereits zum Lesebeginn der roten Sorten um den 7. September, waren die Zuckerwerte beim früh reifenden Merlot recht hoch. Die niedrigen Säurewerte gehen auf den geringen Gehalt an Äpfelsäure im Verhältnis zur Weinsäure zurück. Die aromatische Ausdruckskraft der Trauben wuchs zur Mitte September, die Traubenschalen waren dick und porös, mit einem hohen Gehalt von Anthocyanen, was eine schnelle Farbextraktion zur Folge hatte. Die ungewöhnlich reifen Traubenkerne führten zu einer besonderen Abrundung der Moste, ohne grüne Aromen. Die 2018er Merlots zeigten schnell nach der Gärung ein höheres Qualitätsniveau als 2016 und 2017, mit einem ungewöhnlich dunklen Fruchtansatz. Die typische rotbeerige Aromenprägung der Rebsorte fehlte oftmals gänzlich. Die idealen Wetterbedingungen des Septembers dauerten bis Mitte Oktober an, was den spätreifenden Cabernets und dem Petit Verdot zu Gute kam. Der Cabernet Franc zeigte keinerlei kräuterige oder unreife Noten, der Cabernet Sauvignon entwickelte eine ausgeprägte Cassisfrucht mit körperreicher Struktur und der Petit Verdot konnte ebenso voll ausreifen mit mächtiger, dunkelbeeriger Holunderaromatik, die den Nachhall der Weine befeuert. Auch bei den späteren Sorten wurden die Traubenkerne extrem reif. Der lang anhaltende »indian summer« sorgte daher in 2018 für eine perfekte Ernteperiode ohne jegliches Fäulnisrisiko oder Eile bei der Lese. Jede Parzelle und Rebsorte für trockene Weiß- und Rotweine konnte unter idealen Konditionen eingebracht werden. Die vereinzelt getrockneten, eingeschrumpften Trauben mussten ebenso wie die von Mehltau befallenen Beeren bei der Traubenannahme aussortiert werden, um eine negative Beeinflussung der Moste zu verhindern. Bei der Vinifikation der Rotweine wurde vielfach eine sanftere Extraktion absolviert mit weniger Remontage und Pigeage als gewöhnlich, dem Überschwallen oder Untertauchen des Tresterhutes. Auch wurde die Gärtemperatur meist etwas kühler bis 28 °C angesetzt. Nach der alkoholischen Gärung blieben die Moste häufig ohne weitere Extraktion der Traubenschalen mehr im Sinne eines »Ziehen lassens« wie bei der Teebereitung liegen. Die roten Bordeaux’ aus 2018 sind sehr mächtige, dunkelbeerige Weine mit einer unglaublichen Präsenz. Die Rebsorten Merlot, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon unterscheiden sich in diesem Jahrgang geschmacklich nicht sehr stark, insbesondere weil der Merlot seine rotfruchtige Duftigkeit gegen dunkelbeerige Massivität eingetauscht hat. Vielfach sorgt der Petit Verdot für eine besondere Würze und Tiefgründigkeit. SÜSSWEINE Obschon es im Sauternes-Gebiet im Sommer etwas mehr geregnet hatte als in anderen Regionen von Bordeaux, verzögerte die Trockenheit und Wärme des Septembers und Oktobers eine Ausbreitung der erwünschten Edelfäule Botrytis cinerea. Vielmehr schrumpften die früh reifen Traubenpartien zu rosinierten Beeren (passerillage). Bei der ersten Lese wurden solche Trauben vielfach ausgelesen. Erst in der zweiten Oktober-Woche konnte sich durch kühle Nächte und höhere Feuchtigkeit Botrytis bilden, die sich durch Nordwinde schnell ausgebreitet hat. Der zweite Erntegang sollte nun die größte Ausbeute einbringen. Durch eine regnerische Periode Mitte Oktober wurde eine weitere Fäulnis-Welle ausgelöst. Der letzte Lesegang fand nun Ende Oktober bis Anfang November statt. Die Säurewerte waren aufgrund des warmen Sommers recht niedrig, die Konzentration hoch. So zeigen die Süßweine des Jahrgangs 2018 reife Aromen mit fülliger Struktur, jedoch ohne die Säurespannung eines wirklich großen Jahrgangs.

extraprima Bordeaux 2018 MERLOT UND PETIT VERDOT In den vergangenen Jahren hatte sich die Sorte Merlot deutlich weniger aromatisch als gewohnt gezeigt: In 2014 war der kalte Sommer schuld, in 2015 und 2016 litten die Merlots unter Trockenheit und Hitze. In 2017 gab es Frost, Trockenheit und Regen zur Ernte. Auch in 2018 gibt es nur bei wenigen Weinen eine typische, rotbeerig-kirschige Merlot-Komponente mit fleischiger Fülle. Deutlich aromatischer als in 2014, 2015, 2016 und 2017 zeigen die Merlots aus 2018 einen ungewöhnlich dunkelbeerigen Fruchtansatz. Später gelesene Merlots scheinen weniger ausdrucksstark und fruchtig, dann wiederum mit schokoladigen Aspekten angereichert. Interessanterweise sieht man heuer in vielen Assemblagen eine höhere Beteiligung von Petit Verdot. Im Gespräch mit einigen Weinmachern ist man sich der verminderten Ausdruckskraft des Merlot in den letzten Jahren bewusst. Viele sprechen beim Merlot von einer gehäuft stärkeren Differenz von phenolischer und aromatischer Reife. Ein Oenologe gab zu bedenken, dass vermutlich die vorsorglichen Spritzungen gegen Botrytis insbesondere beim Merlot zu einer verzögerten Aromenentwicklung in den Trauben führt. Einige früh gelesene, klassisch orientierte Merlots belegen, dass es sehr wohl möglich ist, der Rebsorte aus eigener Kraft typische Aromen zu entlocken. Zudem ist das Lesezeitfenster für Merlot sehr klein. Francois Mitjavile von Tertre-Rôteboeuf gibt an, dass es sich seiner Meinung nach um nur etwa zwei Tage handelt, an denen man den Merlot mit optimaler Reife und perfekter aromatischer Entwicklung ernten kann. Davor ist er dünn und unreif, danach schokoladig und überreif likörig. Durch die wärmere Witterung wiederum wird der Petit Verdot in den vergangenen Jahren zuverlässig reif, was bis in die 90er mitnichten der Fall war. Unterschiedlicher könnten die Aromenspektren dieser beiden Sorten kaum sein und doch wäre es denkbar, dass der eine den anderen geschmacklich ablösen kann. Zumindest als Gegenspieler zu den Cabernets am linken Ufer. Zudem nur wenige Prozent an Petit Verdot ausreichen, um einen Wein geschmacklich komplett zu drehen. Man müsste also gar nicht den Merlot großflächig durch Petit Verdot ersetzen. DIE APPELLATIONEN Mir scheint es in 2018 weniger eindeutig als in anderen Jahren, welche Appellationen generell gesehen besser abgeschnitten haben als andere. Wie bereits erwähnt, ist 2018 für mich weniger ein Jahrgang des Lagencharakters, vielmehr dominiert der umfassende Jahrgangscharakter. Die hohen Anforderungen im Weinberg während der Vegetationsphase führten schnell zu Fehlern mit eindeutigem Qualitätsverlust, daher ist 2018 auch als heterogener Jahrgang einzustufen. Manche Verkoster sehen in 2018 das nördliche Médoc mit St.-Estèphe oder Pauillac ganz vorne. Das war letztes Jahr in jedem Fall so, denn es gab dort keinen Frost. Die Spitzen in St.- Estèphe sah ich in 2017 leicht besser als im Nachfolgejahrgang, insbesondere den überragenden Cos d’Estournel. In Pauillac konnte ich die beiden 2018er Pichons beispielsweise nicht ganz vorne einreihen, für manchen Verkoster ist die Comtesse wiederum einer der besten Weine des Jahrgangs. Eindeutig scheint mir, dass die Spitze in Saint-Julien ausgezeichnet gelungen ist, mit den drei Léovilles und einem wiedererwachten Ducru-Beaucaillou. Auf breiter Front konnte man auch ein sehr hohes Niveau bei den roten Graves feststellen, vom Mittelbau bis in die Spitze. Die weißen Graves sind nicht ganz so homogen gelungen wie 2017. Dabei konnte der weiße Haut-Brion wiederum den grandiosen 2017er sogar noch übertreffen. Auch hier zeigt sich daher eine deutlich heterogene Struktur. Erstaunlicherweise waren demgegenüber wiederum die Weißweine im Médoc generell sehr erfolgreich! Am rechten Ufer gibt es das typische uneinheitliche Bild in Saint-Emilion. Hier unterscheiden sich mehr die Lesezeitpunkte und Vinifikationsmethoden voneinander als die Terroirs. In Pomerol zeigt sich ein kurioses Bild mit einer eher braven Mittelklasse und einer überragenden Spitze, mit einigen zukünftigen Legenden, wie dem Vieux Château Certan 2018. Bei vielen Weinen differieren die Bewertungen der Verkoster deutlich. Daher sollte man sich in diesem Jahr nicht nur mit der Punktzahl beschäftigen. Die Beschreibungen geben womöglich mehr Aufschluss, ob dem geneigten Verkoster der Wein am Ende schmeckt oder nicht. DER JAHRGANGSVERGLEICH Der Jahrgang 2018 lässt sich mit keinem vorigen Jahrgang von Bordeaux vergleichen. Denn einerseits ist mir kein Jahrgang bekannt, der auf breiter Front eine derart dunkelbeerig-reife Fruchtcharakteristik hervorgebracht hat, auch bei Merlot-betonten Weinen über alle Appellationen hinweg. Andererseits kennt man eine solche allumfassende Gleichförmigkeit der Fruchtaromen ja eher aus warmen bis heißen Jahrgängen wie 2003. In derartigen Jahren gibt es jedoch immer viele konfierte oder gekochte Fruchtnoten, was eben zu einer gewissen Gleichförmigkeit führt. Das wiederum findet man in 2018 fast gar nicht. Die Frische in den Weinen, gepaart mit der reichhaltigen Dunkelbeerigkeit und Fülle ist absolut einmalig. Von Château zu Château gibt es sicherlich Similaritäten zu vorigen Jahrgängen. Doch genauso heterogen, wie sich der Jahrgang 2018 innerhalb seiner eigenen Hierarchie präsentiert, lassen sich auch die Jahrgangsvergleiche von Wein zu Wein nicht gleichförmig ziehen. Der eine 2018er erinnert an 2005, der andere an 2009, 2010 oder andere. Wiederholt gilt es daher festzustellen: Die allgemeine Jahrgangscharakteristik steht in 2018 über der Lagencharakteristik und auch über der Rebsortencharakteristik. Das gab es in Bordeaux nie zuvor. Genauso wie es nie vorher vier aufeinanderfolgende Jahrgänge mit absoluten Spitzenqualitäten gab. Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit diesem Jahrgang! Ihr Thomas Boxberger 7 ® Unsere Weine sind absichtlich gut. Weinimport Thomas Boxberger S 6, 10 | 68161 Mannheim | info@extraprima.com | www.extraprima.com bio-zertifiziert durch DE-ÖKO-037 Öffnungszeiten Mo. geschlossen Di. – Fr. 10:00 – 18:30 Uhr Sa. 10:00 – 16:00 Uhr Bestellen Sie telefonisch: (0621) 2 86 52 per Fax: (0621) 2 49 57 online: extraprima-weinversand.de per E-Mail: info@extraprima.com

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